Sie kümmerte sich täglich um ihren behinderten Ehemann – bis sie die Kameras überprüfte.

Bewegung erkannt. Wohnzimmer. Julies Herz machte einen schmerzhaften Sprung – bis ihr klar wurde, dass es nur ihre eigene Bewegung vorhin war, ein verzögerter Alarm. Sie atmete aus und zitterte. Es ist in Ordnung, sagte sie sich. Das hier ist in Ordnung. Ich werde morgen nachsehen. Ich werde nichts sehen. Ich werde mir dumm vorkommen. Und dann werde ich die App löschen und nie wieder davon sprechen.

Sie wiederholte diesen Gedanken wie ein Gebet, bis der Schlaf sie schließlich einholte. Am nächsten Morgen ging sie zur Arbeit, mit einem Kuss auf Marcus‘ Wange und einem Lächeln, zu dem sie sich zwingen musste. „Ich liebe dich“, sagte sie. „Ich liebe dich“, erwiderte er, und seine Augen verweilten eine Sekunde zu lange auf ihrem Gesicht, als ob er es sich einprägen würde.