Helen war siebenundfünfzig Jahre alt und hatte ihr Leben seit fast einem Jahrzehnt in Abwesenheit organisiert. Ihr Sohn Daniel war vor neun Jahren gestorben – eine nasse Straße, eine Winternacht, ein Telefonanruf um 23.47 Uhr, an den sie immer noch nicht denken konnte. Er war vierundzwanzig gewesen. Davor war sie ein anderer Mensch gewesen, obwohl sie sich nicht mehr genau erinnern konnte, wer.
Daniel war derjenige gewesen, der ihr nahe stand. Er rief jeden Sonntag an, kam mit Lebensmitteln, die sie nicht bestellt hatte, und hatte die Angewohnheit, beim Essen zu summen – immer die gleiche, halb erinnerte Melodie, die sie jahrelang in den Wahnsinn getrieben hatte. Sie hätte fast alles dafür gegeben, es noch einmal zu hören.
